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Soundcheck der Berliner Schallplattenbörse

Egal ob auf CD oder Vinyl, an dieser Stelle machen wir auf monatlich auf offizielle Neuerscheinungen (keine Demos!) und  Reissues (keine Fälschungen!) aus 50 Jahren Rockgeschichte aufmerksam, die für Musiksammler spannend sein können, aber in den üblichen Musikmagazinen kaum  Chancen auf eine Rezension haben.

Künster und Bands, die glauben, auf dieser Website gut platziert zu sein, können uns gerne ein Muster (Neustarter bitte möglichst mit kurzer Biographie) zusenden. Eine Garantie auf Veröffentlichung können wir allerdings nicht geben.

Fucked-Up - David Comes to Life (Platte des Sommers)

Fucked-Up: David comes To Life 2011
Fucked-Up: David comes To Life 2011

Seit jeher scheren sich Fucked-Up aus Toronto einen Dreck um Schubladen und Grenzen und rücken nach Belieben von der ursprünglichen Nähe zu Punk und Hardcore ab.

Bereits auf früheren Alben mixten die Kanadier wüsten Garagenrock mit  Stilbrüchen der besonderen Art: zarte Frauenstimmen, verträumte Geigen, Gebetsgesänge oder sphärische Kanggebilde, die schon fast so klangen, als kämen sie von verdienstvollen Gralshütern des 70er Spacerocks.

In gewisser Weise baut der ganze Rock-Kosmos von Fucked-up auf dem Wahnsinn der eigenen Plattensammelleidenschaft. Das angehäufte Vinyl inspiriert die Band zu Ausflügen quer durch die Rockgeschichte. Ganz aktuell beispielsweise bis zur Rockoper Tommy.

Mit David Comes To Life enstand so das erste Musikdrama. Darin durfte es sogar poppig werden, allerdings ohne jemals in Kitsch abzudriften.

Schon The Other Shoe, die letzte Single-Auskopplung, welche kürzlich auch schon live vorgstellt wurde, zeigte die neue Marschrichtung. Keine 15-minutenlangen  Auswüchse mehr, dafür Rocksongs, randvollgepackt mit mitreißenden Hooks und punkigen Riffs aus Stromgitarren. 

Auf dem Album geht nahtlos weiter: Volle 78 Minuten ohne Durchhänger! Es dominiert das gewohnte Tempo mit neuer Wirkungskraft, so dass selbst ein 50jähriger pogomäßig mit hochgerissenen Fäusten durch die Wohnung tanzen möchte.

Im Ganzen wirken die Songs eingängiger und bombastischer, Fucked-Up erhalten sich aber durch die Gitarrenkullisse und dank der vokalen Schallereignisse von Pink Eyes (bürgerlicher Name: Damian Abraham) ihre typischen Markenzeichen.

Fazit: So klingt eine Punk Rock Opera ohne Verrat an sich selbst - ganz im Gegensatz zu American Idiot von Green Day. Fucked Up darf man getrost weiter vertrauen.

Nicht umsonst ist David Comes to Life das Album der Woche im Online-Portal Plattentests > http://www.plattentests.de/rezi.php?show=8515 sowie Platte des Monats in der Visions. Und im aktuellen OX -Fanzine gibt es fette 9 Punkte.

Wolf-Reinhart Kotzsch

 

 

 

Dengue Fever - Cannibal Courtship

Dengue Fever aus Los Angeles kreieren einen atemberaubenden Mix aus Khmer-Folklore und amerikanischer Psych-Rock im Stil der 60iger. Die Band schaffte es nahtlos,  den Zauber der traditionell-kombodschanischen Musikkultur in westliche Hörgewohnheiten einzubinden
Inspiriert von einer Reise nach Kambodscha, wurde Dengue Fever Anfang des neuen Milleniums von Ethan Holtzman und seinem Bruder Zac gegründet. Kurz darauf entdeckten sie ihre Sängerin Chhom Nimol bei einem Auftritt irgendwo im"Little-Pnohm-Penh"-Viertel von Longbeach.

Das erste längst vergriffene Album erschien in eigener Regie vertreiben bereits 2003. Es folgten eine Veröffentlichung auf Peter Gabriels Real World Label und sogar eine umfassende Doku auf DVD. Wer mehr wissen will, findet alle verfügbaren Infos Ausgaben in Amazon UK.

Cannibal Coourtship, das brandneue Album, hat inzwischen Major-Niveau erreicht und befindet sich  im Universal-Vertrieb. Die Aufnahmen sind entsprechend glatter produziert als ihre Vorgänger, aber dennoch in jeder Hinsicht faszinierend.

Auch im Juni:

The Feelies - Here before 2011
O'Death - Ghost Head 2011
O'Death - Ghost Head 2011
Death Cab For Cutie - Codes and Keys
Death Cab For Cutie - Codes and Keys
The Feelies - Here before 2011

 Neuerscheinungen findet Ihr z.B. bei Pandoras Box, Stubenrauchstraße 70, 12161 Berlin